Dank
seinen schönen Villen und großen Hotels war Gardone Riviera ein bevorzugter
Aufenthaltsort auch für die Rekonvaleszenz der Kriegsverletzten. Claretta
Petacci - die Geliebte von Mussolini - wohnte in einer der schönsten Villen
des Sees, "Villa Fiordaliso". Die Villa, die heute ein Restaurant ist,
war von dem SS-Oberleutnant Spoegler bewacht. Im innern war auch der Sitz der
japanischen Botschaft, um die Präsenz von Claretta weniger augenfällig
erscheinen zu lassen. Der neugotische Turmbau "St. Marco", auch
bekannt unter dem Namen "Rühland", war der romantischste Ort der Begegnungen
zwischen Mussolini und Claretta; später zog Claretta in die "Villa Mirabella"
um, um mögliche Diskussion mit Rachele zu vermeiden. Die "Villa Mirabella",
die innerhalb des Parks vom "Vittoriale"
steht, war die Residenz, die Gabriele D’Annunzio der Witwe Maria Hardouin Gallese
- Prinzessin von Montenevoso - als Erbschaft hinterlassen hatte. Hier kümmerte
sich um sie die Gräfin Caterina Cervis - Gesellachaftsdame der Prinzessin
von Montenevoso. 1950 wurden fünf Holzkisten bei dem Ehepaar Cervis gefunden:
sie enthielten 68 versiegelte Umschläge, die ein Teil von Mussolinis Liebesepistolarium
darstellten.
Gegenüber
dem Turmbau "St.Marco" steht die wunderbare "Villa Alba" (ist heute ein
Kongreßzentrum). Die Villa ist ein imposantes neuklassizistisches Gebäude,
das mit dem berühmten "Partenone" offenbare Ähnlichkeit hat. Sie wurde
als Sendungsstelle zwischen Italien und Berlin benutzt, und die starken Sendeanlagen,
die hier eingesetzt worden waren, bewiesen die Kraft des deutschen Informationsapparates.
Ein anderer Teil der Villa wurde als Kurheim benutzt: die Behandlungen waren Schlammbäder,
und jeden Tag kamen mehrere mit Schlamm beladene Lastwagen von Abano in Gardone
an. 100 Meter von der "Villa Alba" entfernt ist die "Villa Itolanda". Die
Villa, die der Familie Van Waveren gehört, war von Vittorio Mussolini und
seiner Familie bewohnt, und noch früher - von 1899 bis 1910 - war sie die
Wohnung von Paul Heis - Schriftsteller der berühmten "Novellen vom Gardasee"
und Nobelpreis der Literatur. Wenn wir Richtung Gardone fahren, begegnen wir der
"Villa Turati", auch bekannt unter dem Namen "Rühland"; hier war der
Sitz der Japanischen Botschaft, derer Leiter Sciuruku Hidara war. Daneben ist
das "Hotel Garda e Suisse": es beherbergte die Truppen der Militärpolizei
der Wehrmacht, die der Ortskommandatur unterstellt war. Die Ortskommandatur, die
in der "Villa Duca Acquarone" war (ist heute die Dependance des Hotels
"Monte Baldo"), hatte den Auftrag, den italienischen Staatsbürgern der Gegend,
Passierscheine und Verwaltungsdokumente auszugeben. Man sagte, nach dem Krieg
wurden in dieser Villa mehrere Kisten voller Goldbarren gefunden, die die Deutschen
vom Frankreich mitgebracht hatten.
Das
"Hotel Montebaldo" beherbergte die deutschen Ärzte, die in den Militärkrankenhäusern
arbeiteten. Zwischen dem "Hotel Montebaldo" und dem "Grand Hotel Gardone" ist
die "Villa Wimmer", die die Büros der Dolmetscher beherbergte;
die Dolmetscher waren natürlich von großer Bedeutung, denn hier waren
Botschafter und Militärgelegationen aus Italien, Deutschland und Japan.
Gegenüber dem Bahnhof, in dem "Residence Roma" (ehemalige "Villa Roma"),
war die Führung der Wehrmacht. Oberhalb von Gardone, in der Brusada Straße,
ist die "Villa Margherita", die die Feldgendarmerie beherbergte. Die "Villa
Besana" - zwischen dem "Hotel Savoy" und dem wunderbaren Park "Rimbalzello"-
war vom General Karl Wolff - Kommandanten der SS in Italien - bewohnt. Er war
ein großer Freund von Himmler -Innenminister und Führer der Polizei
des Reiches. In dem "Hotel Bellaria", das neben dem "Casinò" steht,
waren die Schutzmänner des Generales einquartiert. Das "Casinò" (ist
heute ein Kino) war der Freizeitzentrum der deutschen Soldaten: man organisierte
hier Konzerte, Operetten, Parties, und spielte Filme. Die "Villa Violetta",
die sich in der Nähe vom Rathaus befindet, war der Sitz des deutschen Militärgerichtes.
Gardone Riviera, Fasano, und Barbarano waren eine wichtige Krankenhausgarnison
und, der Genfer Konvention gemäß, auch eine Freizone.
Das
"Grand Hotel Gardone", das "Grand Hotel Fasano" und sogar das "Savoy
Palace Hotel" wurden als Krankenhäuser benutzt; und der Oberst Hunnermann
war der Verantwortliche dieser Abteilung. Der Architekt Giancarlo Maroni - Oberintendant
für das "Vittoriale"- beschäftigte sich mit der Umänderung
dieser großen Touristenstrukturen
Das "Grand Hotel Gardone" hatte besondere
Stationen zur Verfügung: eine chirurgische Station, eine Augenstation (hier
wurde Romano Mussolini operiert), ein Röntgenraum und sogar eine Abteilung
für die Malariatherapie. Für die Patienten wurden hier Filme (oft die
ganz neue Filmbänder, die die deutschen Soldaten in den amerikanischen und
englischen Schiffen fanden), Konzerte und Vorstellungen gespielt; einmal nahm
sogar die berühmte Sängerin Zarah Leander daran Teil. Hier wurden alle
Soldaten eingeliefert, die an der Front verletzt worden waren, als auch die Bürger,
die in Salò, wegen der außergewöhnlichen Überbevölkerung,
keinen Platz finden konnten.
Das
"Hotel Bellevue" - nicht weit vom "Grand Hotel Fasano"- war als
Krankenhaus für die Veteranen aus Montecassino benutzt; die "Villa Maria
Elisabetta" (ist heute ein Ferienhaus) war ein Krankenhaus nur für Deutschen;
die "Villa Paolina" -in der Romastr.- war ein Erholungsheim nur für
Italiener; die "Pension Hohl" - nicht weit vom botanischen Garten
"Hruska"- beherbergte die deutschen Ärzte, die in den Militärkrankenhäuser
arbeiteten; und das "Hotel Spiaggia d’Oro" - am Hafen von Barbarano
- war ein Krankenhaus für die deutschen Veteranen aus Montecassino und Garfagnana.
Der Dampfer "Italia" wurde oft als Lazarettschiff für den Transport
der Verletzten benutzt. Die 3 Hauptkrankenhäuser hatte eine Landungsbrücke,
wo der Dampfer anlegen konnte, sodaß man die Verletzten und die medizinischen
Einrichtungen einfach abladen konnte. In der eleganten "Villa Belvedere",
die sich innerhalb des schönen Parks "Rimbalzello" befindet, wohnte
der Oberst Herbert Kappler. Seit Juli 1944 beschäftigte er sich mit den Verbindungen
zwischen der deutschen und der italienischen Polizei; er hatte sein Büro
in Toscolano Maderno, in dem Gebäude, wo jetzt die Grundschule ist. Das "Hotel
Galeazzi" - längs der Stadtsstraße - beherbergte die Belegschaft
des Außenministeriums; "Villa Cavaccini" - daneben - war vom Polizeipräsidenten
Uccelli bewohnt.